SUDECK-SYNDROM
Hier gelangen Sie zur englischen Version: Sudeck dystrophy (Sudeck`s dystrophy) (www.sudeck-dystrophy.com)
Zunächst gute Nachrichten für alle Schmerzpatienten
Sozialgerichte stärken die Rechte von Schmerzpatienten gegenüber den Rentenversicherungen. Danach hat ein Schmerzpatient ein Recht darauf, in einer schmerztherapeutischen Klinik behandelt zu werden. Hier gelangen Sie zu einem 1. Urteil (Sozialgericht Kassel) (Pressemitteilung dazu: http://www.pressetext.de/pte.mc?pte=051207009&phrase=schmerzklinik) Mittlerweile gibt es diesbezüglich zwei weitere Urteile, so vom Landessozialgericht Hamburg: www.schmerzklinik.com/sozialgericht2 (Pressekommentar dazu: https://www.pressetext.at/pte.mc?pte=070710027&phrase=Schmerzklinik) und vom Sozialgericht Köln erging eine entsprechende, einstweilige Verfügung in nur 23 (!!) Tagen: www.schmerzklinik.com/sozialgericht3.
Das Bundesministerium für Gesundheit teilt auf der Web-Seite http://www.die-gesundheitsreform.de/gesundheitssystem/themen_az/infoblaetter/rehabilitation/index.html?param=st mit, dass alle gesetzlich Krankenversicherte mittlerweile einen Rechtsanspruch auf eine Rehabilitation haben und sich ihre REHA-Klink sogar selbst aussuchen dürfen. Auch sei bei berufstätigen Patienten nicht die Rentenversicherung sondern die Krankenkasse für die Rehabilitation zuständig wenn eine Behinderung droht und das ist ja beim Sudeck Syndrom der Fall.
Der Begriff Sudeck-Syndrom kann auch ohne Bindestrich geschrieben werden (Sudeck Syndrom).
In der Literatur wird das Risiko, ein Sudeck Syndrom zu erleiden auf 0,05% bis 5% geschätzt.
Das Sudeck-Syndrom ist eine reaktive dystrophische (= durch Mangel- oder Fehlernährung bedingte Störungen und Veränderungen einzelner Körperteile oder Gewebe betreffende) Schmerzerkrankung, zu der es nach äußerer Einwirkung (Verletzung, Unfall, aber häufig auch nach ärztlichen Eingriffen) in einem Abschnitt an Arm oder Bein kommen kann, gekennzeichnet durch eine örtliche Durchblutungsstörung, Schmerzen und Funktionseinschränkungen. Das Sudeck-Syndrom ist eine sehr hartnäckige Schmerzkrankheit und kann zur Invalidität bzw. zu einer Behinderung führen, besonders wenn es im Bereich der Hand auftritt. Im Bereich der unteren Extremität sind bevorzugt die Füße, selten auch Hüfte oder Knie betroffen.
Beispiel: Sudeck-Syndrom der linken Hand (1. Stadium) (Quelle: eigene Bilder aus der Klinik)
Beim Sudeck-Syndrom liegt eine Algo dystrophie (= schmerzhafte Organstörung), auch als sympath ische Ref lex dystrophie bzw. C RPS* Typ I (Komp lexes regionales Schmerzsyndrom Typ I) oder Sym pathalgie bezeichnet, in ausgeprägter Form vor.
Die Pathogenese (= Kran kheitsentwicklung) ist unbekannt. Da das Sudeck-Syndrom aber nicht zwingend nach jeder Verletzung auftritt, manchmal ja sogar auch spontan (= von alleine, ohne erkennbare Ursache), muß es eine individuelle Kran kheitsdisposition (= Kran kheitsanfälligkeit) mit besonderer vegetativer (= das unwillkürliche Nervensystem betreffende) Labilität geben. Manche Autoren vermuten auch eine besondere vegetative und psychische Labilität, was wir aber anhand unseres (sehr großen) Patientengutes nicht bestätigen können.
Die Patienten klagen über einen diffusen
und heftigen
Brennschmerz,
ähnlich wie bei einer
Kausalgie
(=
Schmerzen nach
Nervenverletzung).
Aufgrund der Zirkulationsstörung sind die betroffenen Partien meist
bläulich livide verfärbt und ödematös
(= aufgequollen) verändert. Beteiligte
Gelenke versteifen oft und führen so zu einer Behinderung.
Die Art der Gewebsveränderung läßt an eine lokal begrenzte vegetative
Entgleisung denken (Debrunner 1988).
Auf dem Röntgenbild sieht man (im späterem Stadium) eine typische, fleckige, diffuse Knochenentkalkung ähnlich wie bei der Osteoporose (= Systemerk rankung des Skeletts mit Verminderung der Knochen masse).
Das Sudeck-Syndrom läuft (meist, aber nicht immer) in drei Stadien ab.
1.
Akutes Stadium
Im Vordergrund stehen
Schmerzen, auch
in Ruhe, Schwellung infolge eines Ödems
(= krankhafte
Flüssigkeitsansammlung) und
hochgradige Funktionseinschränkung. Die Haut ist rötlich/bläulich verfärbt
und teigig verändert sowie überwärmt.
2.
Dystrophisches (= durch
Mangel- oder Fehlernährung bedingte Störungen und Veränderungen einzelner
Körperteile betreffendes)
Stadium
Das Gewebe atroph iert
(= schwindet, bildet sich zurück) und die Schwellung geht zurück. Der
Schmerz
läßt nach und die Temperatur im betroffenen Körperbereich ist herabgesetzt.
3.
Stadium der At rophie
Knochen und
Weichteile sind
atroph
iert
(= haben sich zurückgebildet),
auch die
Muskeln,
beteiligte
Gelenk
kapseln sind geschrumpft. Es besteht eine deutliche
Bewegung seinschränkung. Die
Haut ist dünn, blaß, beteiligte
Knochen sind
entkalkt (Röntgenbild!).
Ein länger bestehender Schmerz erfordert praktisch immer eine Kombination von verschiedenen Therapieverfahren, die i.d.R. nur in spezialisierte Zentren (Schmerzklinik) angeboten werden können. Beim Sudeck Syndrom sind dies:
1. Information über die Schmerzerkrankung
2. Medikamentöse Behandlung (u.a. Analgetika (= Schmerzmittel), Psychopharmaka, auch als Infusionen, individuell ausgetestet), zusätzlich bei diesem Syndrom Gabapentin oder Pregabalin, Phenoxybenzamin und Calcitonin (= ein Gewebshormon) sowie lokal DMSO (Dimethylsulfoxid)-Creme
3. Therapeutische Lokalanästhesie (= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel) in Form von Infiltrationen und Nervenblockade n (siehe unten)
4. Physiotherapie (Krankengymnastik und andere Anwendungen, v.a. Lymphdrainagen), Ultraschallbehandlung, Magnetfeldtherapie
5. Akupunktur (Schmerzakupunktur)
6. TENS-Therapie (schmerz lindernde elektrische Ströme, die von einem kleinen tragbaren Gerät abgegeben werden). Auch eine Magnetfeldtherapie (pulsierende Signaltherapie) kann sehr hilfreich sein, gleiches gilt für die Hochtontherapie und die SynOpsis Therapie***
7. Psychologische Therapieverfahren (bes. Entspannungsverfahren und Schmerzbewältigungstraining)
8. funktionelle Ergotherapie
Teilweise
wird bei dieser Erkrank
ung die Gabe von
Bisphosphonaten empfohlen (z.B. Varenna M, et al 2000). Medikamente aus
dieser Gruppe werden u.a. auch zur Behandlung der
Osteoporose
verwendet. Aber: Die amerikanische Arzneimittelagentur FDA erinnert
in einem Warnhinweis Ärzte daran, dass es unter der Therapie mit
Bisphosphonaten zu schweren Schmerzen im Bewegungsapparat kommen kann. Die
europäische Arzneimittelagentur EMEA überarbeitet derzeit die
Sicherheitshinweise einmal zu den kardiovaskulären Risiken von
Bisphosphonaten und dann zur Gefahr von Kiefernekrosen.
http://www.aerzteblatt.de/v4/news/newsdruck.asp?id=30986 (Jan.
2008)
Bereits 2004 wurde die Wirkung von Bisphosphonate bei C RPS I untersucht
(Ruhr-Universität Bochum): Es zeigte sich weder eine Reduktion des
Dauerschmerzes noch eine Verminderung der
Schmerzattacken
hinsichtlich Anzahl, Dauer und Intensität...... Die Schmerzreduktionen durch
Bisphosphonate bei C RPS I-Patienten in anderen Studien könnten durch die im
Frühstadium der Erkran kung wahrscheinlich häufig auftretenden
Spontanremissionen zurückzuführen sein.
http://deposit.ddb.de/cgi-bin/dokserv?idn=974924059&dok_var=d1&dok_ext=pdf&filename=974924059.pdf
Die konsequente Anwendung der therapeutischen Lokalanästhesie (= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel) führt beim Sudeck-Syndrom zu beachtlichen Erfolgen.
Für den Bereich der
Arme hat sich
die
Blockade
(= Betäubung)
des
Ganglion stellatum
(= eine vegetative Schaltstelle im seitlichen Halsbereich)
bewährt, optimal in
kontinuierlicher Form mit Katheter**. Die
Stellatumblockade
kann auch als
GLOA
(=
ganglionäre Opioidanalgesie) durchgeführt werden, Nachteil dieser Methode ist aber, daß kaum ein
durchblutungsfördernder Effekt eintritt.
Auch die
kontinuierliche Blockade des Plexus brachialis mit Katheter** ist
sehr hilfreich (und auch risikoärmer als Stellatumblockaden),
zumal das
Nerven
geflecht des
Arm es reich an
vegetativen Fasern ist, so daß es neben der erwünschten Hemmung der
Nozizeption (=
Schmerzreizleitung) auch zu einer
Steigerung der Durchblutung kommt und somit die gestörte Mikrozirkulation im
Schmerzbereich optimiert wird.
Im Bereich der Beine (einschließlich Hüften) kommen bei diesem Syndrom ebenso kontinuierliche Blockadetechniken** zur Anwendung:
·
Hüfte: Kontinuierliche Blockade
des P lexus lumbal
is mittels N. femoral is
· Oberschenkel, Knie: Kontinuierliche Blockade des N. femoral is** (periphere Variante)
· Unterschenkel (hinten und außen) sowie Fuß: Kontinuierliche Blockade des N. ischiad icus**
Auch die Nerven femoral is und ischias bzw. ischiad icus führen vegetative Fasern, so daß die erwünschte, sympathikolytische (= gefäßerweiternde und damit durchblutungssteigernde) Wirkung ebenfalls eintritt.
Als nächst höhere Therapiestufe bietet sich dann die kontinuierliche epidurale Blockade (= rückenmarknahe Betäubung) mit Katheter** an.
Das Sudeck-Syndrom erfordert eine längerfristige Blockadebehandlung (mindestens 2 bis 3 Wochen).
Daß serielle bzw. kontinuierliche Nervenblockaden bei dieser Kran kheit sehr hilfreich sind, ist auch schon seit längerem in der Fachliteratur gut dokumentiert. Z.B. Lehmann, K.A.: postoperative Schmerztherapie, WVGmbH Stuttgart, 485-93 (1993). - Murray, P., Floor, K., Atkinson, R. E.: Continuous axillary brachial plexus blockade for reflex sympathetic dystrophy - Anaesthesia 50 (7), 633-5 (1955). - Ribbers, G. M., Geurts, A. C., Rijken, R. A., Kerkkamp, H. E.: Axillary brachial plexus blockade for the reflex sympathetic dystrophy synd rom, Int. J. Rehabil. Res 20 (4), 371-80 (1977). Auch in den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Physikalische Medizin und Rehabilitation sind zur Behandlung beim komplexen reg ionalen Schm erzsyndrom (Symp athische Reflexdyst rophie) Nervenblockaden aufgeführt - http://www.uni-duesseldorf.de/WWW/AWMF/ll-na/036-006.htm
Begleitend hat sich auch eine Infusionsserie mit Lidocain 2% (= ein mittellang wirkendes, örtliches Betäubungsmittel) als hilfreich erwiesen. Dabei werden unter Pulskontrolle (Monitor) in aufsteigender Dosierung jeweils 50, 100 u. 150 mg gelöst in 200 ml Kochsalz 0,9% mit Hilfe einer Infusionspumpe (z.B. Infusomat) innerhalb eine Stunde verabreicht, wobei sicherheitshalber ein Abstand von 24 Stunden zwischen den einzelnen Infusionen eingehalten werden sollte.
Man kann Lidocain auch serienmäßige mittels intraarterieller Injektionen (= Spritzen in eine Schlagader) in die A. femoralis (= Beinschlagader) oder A. brachialis (= Schlagader des Armes) verabreichen, so z.B. 1-2 mal täglich 1-1,5ml (= 20-30 mg) im Abstand von 8-12 Stunden über 10 Tage. Dabei gelangt das örtliche Betäubungsmittel in die sog. Endstrombahn und führt dort zu der gewünschten Gefäßerweiterung (Sympathi kolyse) bei gleichzeitiger Schmerzlinderung. Selbst wenn die Blutader nicht genau getroffen wird, tritt trotzdem eine gefäßerweiternde Wirkung ein, da um das Blutgefäß herum sympathische (= Teil des unwillkürliche Nervensystem betreffende) Nervenfasern verlaufen. So wird z.B. in der Neuraltherapie aus diesem Grunde bewußt um das Gefäß herum infiltriert.
Manche Autoren empfehlen sog. Sympathikus-Blockaden mit Guanethidin. Der Wirkstoff findet auch zur Behandlung eines Bluthochdrucks Verwendung. Der Wirkmechanismus beruht auf der Verminderung der Freisetzung des Botenstoffs Noradrenalin aus den Endigungen der Nervenzellen. Vorteil dieser intravenösen Blockademethode (= das Medikament wird in ein zum Herzen zurückführendes Gefäß eingespritzt, wobei aber z.B. der Arm vorübergehend abgestaut wird) ist, daß die Wirkung bis zu 72 Stunden anhalten kann. Nachteil ist das gegenüber den Nervenblockaden deutlich erhöhte Behandlungsrisiko. Es sei noch darauf hingewiesen, daß eine Wirksamkeit von peripheren intravenösen Guanethidinblockaden in einer Metanalayse nicht nachgewiesen ist. Auch die deutsche Gesellschaft für Physikalische Medizin und Rehabilitation führt Nervenblockaden mit Betäubungsmittel auf (http://www.uni-duesseldorf.de/awmf/ll-na/036-006.htm).
Erläuterungen:
* Die neue
Bezeichnung der International Association for the Study of Pain für
das Sudeck-Syndrom
(engl.
Sudeck`atrphy oder
Sudeck`s dystrophy) lautet:
CRPS Typ I =
Complex Regional Pain Syndrome
(Reflex
Sympathetic Dystrophy Syndrome) - bzw.:
Komplexes regionales Schmerzsyndrom Typ I
Typ II entspricht der
Kausalgie.
** Bei
der sog. kontinuierlichen Blockade eines Nerven mit Katheter wird der dünne
Kunststoffschlauch dicht an Nervengeflechte bzw. den betroffenen Nerven
eingepflanzt. Die Einpflanzung erfolgt durch eine handelsübliche Kanüle
hindurch, es muß also nicht “aufgeschnitten” werden. In der Folge wird über
diesen Katheter mehrmals täglich, jeweils nach Abklingen der vorangegangenen
Dosis,
Lokalanästhetikum
(=
örtliches Betäubungsmittel)
völlig schmerzlos nachgespritzt. In bestimmten Fällen kann zur Verabreichung
des örtlichen Betäubungsmittels durch den Katheter hindurch auch eine kleine
Pumpe angeschlossen werden. Das
örtliche Betäubungsmittel wird bei dieser Behandlung so dosiert, dass
die grobe Kraft erhalten bleibt (bei gleichzeitiger Hemmung der
Schmerzreizleitung), damit begleitend krankengymnastische Übungsbehandlungen
möglich bleiben. Dass die schmerzlindernde Wirkung i.d.R. über die
eigentliche Behandlungszeit hinaus anhält, ist u.a. darauf zurückzuführen,
daß bei dieser Blockadebehandlung auch die sog. vegetativen Nerven betroffen
sind, woraus eine sehr deutliche Durchblutungssteigerung und damit
Optimierung des lokalen
(= örtlichen) Stoffwechsels
(besonders wichtig beim Sudeck-Syndrom) resultiert.
Nach neueren Erkenntnissen vermag diese intensive Blockadetherapie das sog.
Schmerzgedächtnis löschen, auch beim Sudeck Syndrom.
Eine solche intensive Blockadebehandlung ist aber nur in einer speziellen Klinik (Schmerzkliniken) durchführbar.
*** Die Unterschenkel des Pat. befinden sich bei der SynOpsis Therapie in einem mit Wasser gefüllten Gefäß. Über einen Computer werden der Flüssigkeit Schallwellen einer bestimmten Frequenz pulssynchron (= in Ahängigkeit vom Pulsschlag) zugeführt. Es handelt sich dabei um ein sog. syncardiales (= im gleichen Rhythmus) Gefäßtraining. Über eine Verbesserung der Durchblutung wird der lokal (= örtlich) gestörte Stoffwechsel optimiert. Mehr über diese Therapie erfahren Sie hier: www.1-avk.de (einfach anklicken).
Hier (einfach anklicken) gelangen Sie zur E-Mail einer Patientin, die mit den beschriebenen Methoden behandelt wurde.
Die Methoden der modernen Schmerztherapie bieten auch optimale Voraussetzungen für eine Anschlußheilbehandlung (AHB) bzw. Anschlußrehabilitation. Mehr darüber erfahren Sie hier: http://www.anschlussheilbehandlung.eu (einfach anklicken).
Sie sind dialysepflichtig? Kein Problem, ganz in unserer Nähe befindet sich für unsere Patienten ein kompetentes Dialyse-Zentrum: www.nephroteam.de
Die Klinik im Film - Zu einem 3-min. Fernsehbeitrag über Schmerzbehandlungen gelangen Sie hier (einfach anklicken).
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Aktualisiert: >28.01.2008</> kusb
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